Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V.
begründet 1700 als Brandenburgische Sozietät der Wissenschaften
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2026-07-02 Leibniz-Tag (6)
8. Juli 2026

Bericht über den Leibniz‑Tag 2026

Hans-Christoph Hobohm Leibniz-Tag

Der Leibniz‑Tag 2026 führte am 2. Juli 2026 Mitglieder, Gäste und Freundinnen und Freunde der Leibniz‑Sozietät erneut in der Rosa‑Luxemburg‑Stiftung zusammen. Die Veranstaltung wurde im hybriden Format durchgeführt, sodass zahlreiche Teilnehmende online zugeschaltet waren.

Musikalische Einführung: Schostakowitsch als Resonanzraum (Präsentationsfolie dazu)

Den Auftakt gestaltete die Schostakowitsch‑Musikschule Berlin‑Lichtenberg mit einer eindrucksvollen Interpretation der Sonate für Violoncello und Klavier op. 40 von Dmitri Schostakowitsch. Die Präsidentin würdigte die Darbietung als musikalischen Rahmen, der die historische Sensibilität des Tages spiegelte: „Sie haben uns mit Ihrer Darbietung nicht nur ein bedeutendes Werk der musikalischen Moderne nahegebracht, sondern zugleich den Raum geöffnet für einen Tag, der dem Austausch, der Reflexion und der Suche nach neuen Verknüpfungen gewidmet ist.“ Die Sonate, entstanden in einer politisch und biographisch sensiblen Phase, markiert die Schwelle zwischen künstlerischer Freiheit und ideologischer Kontrolle.

Begrüßung durch die Präsidentin

Prof. Dr. Gerda Haßler begrüßte die Anwesenden im Saal und die online Zugeschalteten. Sie erinnerte daran, dass der Leibniz‑Tag traditionell ein Tag der Bilanz und der Neuorientierung ist – ein Tag, der die historische Tiefe der Sozietät mit ihrer zukünftigen Aufgabe verbindet.

Nekrologe (Präsentationsfolien dazu)

In einem würdigen Rahmen wurde der verstorbenen Mitglieder gedacht, deren wissenschaftliches Wirken die Sozietät über viele Jahre geprägt hat. Vizepräsidenten Prof. Dr. Dorothee Röseberg verlas die Nekrologe für die seit dem letzten Leibniz-Tag verstorbenen Mitglieder Prof. Dr. Klaus Junge, Prof. Dr. Erich Hahn, Prof. Dr. Klaus Mylius, Prof. Dr. Peter Betthausen, Prof. Dr. Malcolm Sylvers, Prof. Dr. Dietrich Balzer, Prof. Dr. Wolfdietrich Hartung, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Herbert W. Roesky, Prof. Dr. Armin Uhlmann, Prof. Dr. Hans-Otto Dill. Die Erinnerung an ihre Beiträge ist Teil des kollektiven Gedächtnisses der Sozietät.

Bericht der Präsidentin (Präsentationsfolien dazu)

Der Jahresbericht der Präsidentin bildete den inhaltlichen Schwerpunkt des Vormittags. Er stand unter dem Leitmotiv:

„Die Leibniz‑Sozietät – ein Forum historisch informierter Wissenschaftsreflexion.“

Prof. Haßler spannte einen weiten Bogen über die Aktivitäten des vergangenen Jahres und betonte die Verbindung von historischer Tiefenschärfe und Zukunftsorientierung als Markenzeichen der Sozietät.

Der 2. Juli ist ein Datum mit besonderer Bedeutung in der Geschichte der europäischen Akademiebewegung. Die Präsidentin erinnerte unter anderem an den Geburtstag Gottfried Wilhelm Leibniz’ am 1. Juli 1646, die Unterzeichnung der Gründungsurkunde der Berliner Sozietät der Wissenschaften am 11. Juli 1700, die Wiedereröffnung der Akademie der Wissenschaften zu Berlin im Jahr 1946. Diese historischen Linien verdeutlichen, dass die Akademiebewegung nie Selbstzweck war, sondern aus dem Bedürfnis entstand, Wissen zu ordnen, zu prüfen, zu teilen und in den Dienst der Öffentlichkeit zu stellen.

Die Präsidentin berichtete über zehn Plenarsitzungen seit dem letzten Leibniz‑Tag, die ein breites Spektrum wissenschaftlicher Kulturen und gesellschaftlicher Herausforderungen sichtbar machten – von geschichtspolitischen Deutungsfragen über naturwissenschaftliche Paradigmenwechsel und technologische Transformationsprozesse bis hin zu ökologischen Zukunftsthemen und rechtshistorischen Perspektiven.

Die Sitzungen der beiden Klassen zeigten:

  • eine starke Orientierung auf technologische und digitale Transformationsprozesse,
  • eine kontinuierliche Reflexion über die historische Bedingtheit wissenschaftlicher Erkenntnis,
  • eine zunehmende Aufmerksamkeit für globale ökologische und kulturelle Herausforderungen.

Die Präsidentin hob die intensive Arbeit der Arbeitskreise hervor, darunter der Arbeitskreis Gesellschaftsanalyse, der Arbeitskreis Wissenschaftsgeschichte, der Arbeitskreis GeoMUWA, der Arbeitskreis Vormärz und 1848er Revolutionsforschung.

Diese Arbeitskreise verbinden historische Forschung, technologische Expertise und gesellschaftliche Verantwortung und prägen das Profil der Sozietät maßgeblich.

Die Publikationstätigkeit der Sozietät blieb trotz des Verzichts auf Druckfassungen hoch. Besonders hervorgehoben wurde:

  • die Einführung eines vollständigen Peer‑Review‑Verfahrens,
  • die Sichtbarkeit der Publikationen durch DOI‑Vergabe und Eintragung in der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek,
  • die erfolgreiche Publikation der Beiträge zur Jahrestagung 2025 im Springer‑Verlag.

Die Präsidentin berichtete über gewachsene Kooperationen, u. a. mit der Berliner Medizinischen Gesellschaft, dem Leibniz‑Gymnasium Berlin, der Peter‑Sodann‑Bibliothek, dem Institut de Recherche pluridisciplinaire en arts, lettres et langues der Université Jean Jaurès Toulouse. Diese Kooperationen stärken die gesellschaftliche Sichtbarkeit und die wissenschaftliche Vernetzung der Sozietät.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Bedeutung der Zuwahl neuer Mitglieder. Die Präsidentin betonte: „Eine lebendige Sozietät entsteht dort, wo Mitglieder als Wissenschaftler ernst genommen werden – als Gestaltende, nicht nur als Beitragszahler.“

Das thematisch Verbindende der vielfältigen Aktivitäten der Leibniz‑Sozietät ist das Selbstverständnis als Forum historisch informierter Wissenschaftsreflexion. Dieses Verständnis knüpft an die lange Tradition der Berliner Gelehrtengesellschaft an, deren Mitglieder seit dem 18. Jahrhundert Wissenschaft nicht nur betrieben, sondern ihre historischen Bedingungen, gesellschaftlichen Rollen und normativen Grundlagen reflektiert haben. Die Sozietät verbindet seit ihrer Gründung 1993 historische Reflexion mit einem interdisziplinären Spektrum, das Natur‑, Sozial‑, Geistes‑ und Technikwissenschaften umfasst.

Aus dieser Tradition heraus kann die Sozietät aktuelle Herausforderungen besonders gut einordnen: die wachsenden Angriffe auf wissenschaftliche Autorität, die Politisierung wissenschaftlicher Streitfragen und die epistemischen Spannungen demokratischer Wissensgesellschaften. Historisch informierte Reflexion macht sichtbar, dass wissenschaftliche Rationalität nie selbstverständlich war und dass gegenwärtige Konflikte Teil einer langen Entwicklungslinie sind.

Die Sozietät ist prädestiniert für eine integrative Wissenschaftsreflexion, die disziplinäre Perspektiven zusammenführt und konzeptionelle Interaktion ermöglicht. Sie versteht wissenschaftliche Rationalität und gesellschaftliche Verantwortung als Einheit und leistet damit einen Beitrag zur Stärkung demokratischer Wissensordnungen.

Ein zentrales Zukunftsthema ist die künstliche Intelligenz, deren transformative Kraft die Sozietät bereits in Arbeitskreisen und in der kommenden Jahrestagung aufgreift. KI erweitert die epistemischen Werkzeuge der Forschung, birgt aber zugleich Risiken für demokratische Wissenskulturen und die Struktur gesellschaftlicher Produktivkräfte. Eine historisch informierte Wissenschaftsreflexion kann diese Ambivalenzen sichtbar machen und Orientierung bieten.

Insgesamt zeigt sich: Ein Forum historisch informierter Wissenschaftsreflexion ist keine neue Erfindung, sondern die konsequente Weiterführung dessen, was die Leibniz‑Sozietät seit Jahrzehnten auszeichnet – die Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz, historischer Tiefenschärfe und gesellschaftlicher Verantwortung. Die Präsidentin lud alle Mitglieder dazu ein, an diesem Ziel, die Leibniz-Sozietät zu einem Forum historisch informierter Wissenschaftsreflexion zu entwickeln, mitzuwirken.

Vorstellung der neuen Mitglieder (Präsentationsfolien dazu)

Im Anschluss an den Bericht wurden die neu zugewählten Mitglieder vorgestellt. Zehn neue Mitglieder wurden zugewählt: Sascha Feuchert, Sebastian Hasenstab-Riedel, Hauke Hußmann, Peter Jordan, Rainer Karlsch, Jochen Kolb, Andreas Kugi, Sylvie Paycha, Kohei Saito, Berthold Unfried. Ihre Fachgebiete reichen von Holocaustliteratur über Halogenchemie, Planetengeodäsie, politische Geographie, Wirtschaftsgeschichte, Geochemie, Systemtheorie, Mathematik und Philosophie bis hin zur Globalgeschichte. Die Vielfalt ihrer Expertise stärkt die interdisziplinäre Ausrichtung der Sozietät.

Die Mittagspause  bot Gelegenheit zu Gesprächen und Begegnungen im Saal, in der Umgebung und im digitalen Raum.

Verleihung der Auszeichnungen (Präsentationsfolien dazu)

Samuel‑Mitja‑Rapoport‑Kooperationspreis

Samuel Mitja Rapoport Kooperationspreis ging 2026 an das Leibniz Gymnasium Berlin

Der Samuel‑Mitja‑Rapoport‑Kooperationspreis ging 2026 an das Leibniz‑Gymnasium Berlin, vertreten durch die Schulleiterin Renate Krollpfeiffer‑Kuhring. Die Kooperation zwischen Schule und Sozietät besteht seit fast zehn Jahren und wurde 2017 offiziell vereinbart. Sie ist nicht nur Ausdruck eines beiderseitigen Interesses, sondern besitzt auch wissenschafts‑ und bildungspolitische Bedeutung.

Zu den etablierten Formaten gehören die Vergabe des Jugendforscherpreises, musikalische Beiträge des Gymnasiums bei Veranstaltungen der Sozietät, fachliche Unterstützung in den MINT‑Fächern sowie gemeinsame Aktivitäten im Rahmen berufsvorbereitender und interkultureller Programme. Besonders hervorzuheben ist die zweitägige Tagung „Menschen im Weltraum“ im Jahr 2018 mit Dr. Sigmund Jähn, die eindrucksvoll zeigte, wie fruchtbar die Begegnung von Schule und Wissenschaft sein kann.

Auch 2025 präsentierte die Sozietät ihre Kooperation im Rahmen der 175‑Jahr‑Feier des Gymnasiums vor Vertreterinnen und Vertretern des Berliner Senats. Ein wesentlicher Bestandteil der Zusammenarbeit ist der kontinuierliche Austausch zwischen Sozietät und Schulleitung, der aktuelle Bedarfe und gemeinsame Perspektiven sichtbar macht.

Mit dieser langjährigen, lebendigen und vielfältigen Kooperation erfüllt das Leibniz‑Gymnasium in besonderer Weise die Zielsetzung des Kooperationspreises: die Förderung des inter‑ und transdisziplinären Dialogs sowie die Verbindung von Wissenschaft und Gesellschaft.

Daniel‑Ernst‑Jablonski‑Medaille

Präsidentin und Vizepräsidentin überreichen Gerhard Pfaff die Jablonski Medaille

Die Daniel‑Ernst‑Jablonski‑Medaille wurde in diesem Jahr an Prof. Dr. rer. nat. habil. Gerhard Pfaff verliehen. Pfaff verbindet in seinem wissenschaftlichen Profil Grundlagenforschung in der anorganischen Festkörperchemie mit langjähriger Lehr‑ und Forschungserfahrung sowie einer ausgeprägten industriellen Innovationspraxis. Nach seiner Tätigkeit an der Friedrich‑Schiller‑Universität Jena wechselte er 1991 zu Merck, wo er in leitender Funktion in der Pigmentforschung und Produktentwicklung wirkte und zugleich seine akademische Laufbahn an der TU Darmstadt fortsetzte.

Gerhard Pfaffs wissenschaftliche Bilanz umfasst zahlreiche Publikationen und eine große Zahl von Patenten – eine seltene Kombination aus wissenschaftlicher Tiefe, technologischer Umsetzungskraft und nachhaltiger Praxisrelevanz. Seit seinem Eintritt in die Leibniz‑Sozietät 2018 hat er früh institutionelle Verantwortung übernommen und prägt seit 2019 als Sekretar der Klasse für Natur‑ und Technikwissenschaften die Arbeit der Sozietät in besonderer Weise.

Sein Engagement zeigt sich zudem in der Mitwirkung an Veranstaltungen, Herausgeberschaften und thematischen Initiativen. Gerhard Pfaff steht damit exemplarisch für jene Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz, interdisziplinärer Offenheit und institutioneller Verantwortung, die das Selbstverständnis der Leibniz‑Sozietät prägt.

Festvortrag (Präsentationsfolie dazu)

Ein Höhepunkt des Leibniz‑Tages war der Festvortrag zum Thema Der Ukraine-Krieg und die neue Welt(un)ordnungvon Prof. Dr. Peter Brandt, einem Historiker, der seit Jahrzehnten die wissenschaftliche und öffentliche Diskussion über Demokratie, Europa und internationale Politik prägt. Brandt gehört zu den Stimmen, die historische Analyse und politisches Urteil mit besonderer Klarheit verbinden – eine Verbindung, die dem Selbstverständnis der Leibniz‑Sozietät in besonderer Weise entspricht.

Prof. Dr. Peter Brandt bei seinem Festvortrag auf dem Leibniz-Tag 2026

Als emeritierter Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der FernUniversität in Hagen hat er ein umfangreiches Werk vorgelegt, das von grundlegenden Studien zur europäischen Revolutionsgeschichte über Arbeiten zur Entwicklung demokratischer Ordnungen bis hin zu Analysen der deutschen und europäischen Zeitgeschichte reicht. Besonders hervorzuheben sind seine Beiträge zur Geschichte politischer Ideen, zur Transformation politischer Systeme und zur historischen Genese europäischer Staatlichkeit. Mit Monographien, Sammelbänden und zahlreichen Essays zeigt Brandt immer wieder, wie historische Forschung zur Orientierung in gegenwärtigen Krisen beitragen kann – eine analytische Präzision, die ihn im historischen Fach als politisch wachen und intellektuell unabhängigen Historiker auszeichnet.

In den aktuellen Debatten über Europa, Sicherheitspolitik und internationale Ordnung ist Brandt eine gefragte Stimme. Er beteiligt sich regelmäßig an öffentlichen Diskussionen, schreibt für wissenschaftliche und publizistische Medien und bringt historische Perspektiven in politische Streitfragen ein. Gerade im Kontext des Ukraine‑Krieges betont er die Notwendigkeit, gegenwärtige Ereignisse nicht nur geopolitisch, sondern im Licht langfristiger historischer Entwicklungen zu betrachten: der Krise multilateraler Strukturen, der Rückkehr imperialer Politikmuster, der Verschiebung globaler Machtverhältnisse und der Herausforderungen für demokratische Gesellschaften. Damit trägt er wesentlich dazu bei, die Komplexität der entstehenden Welt(un)ordnung verständlich zu machen.

Seine wissenschaftliche Haltung verbindet präzise Quellenarbeit mit einem ausgeprägten Sinn für strukturelle Zusammenhänge, der Bereitschaft, historische Erkenntnisse in gesellschaftliche Debatten einzubringen, und dem Anspruch, Geschichte als Instrument der Aufklärung zu verstehen. Diese Perspektive knüpft unmittelbar an die Tradition der Leibniz‑Sozietät an, die Wissenschaft als Beitrag zur Orientierung in einer komplexen Welt begreift.

Der Festvortrag eröffnete daher nicht nur neue Einsichten, sondern auch neue Horizonte: Er machte die historische Dimension des Ukraine‑Krieges sichtbar und beleuchtete die Frage nach der neuen Welt(un)ordnung mit analytischer Klarheit – ein Beitrag, der den Charakter des Leibniz‑Tages in besonderer Weise prägte.

Abschluss

Zum Ausklang des Tages lud die Sozietät zu einem Umtrunk ein. Die Präsidentin dankte allen Beteiligten für die Vorbereitung und Durchführung des Leibniz‑Tages und schloss mit einem optimistischen Ausblick auf die kommenden Aufgaben.

Der Bericht der Präsidentin und der Festvortrag werden im nächsten Heft von Leibniz Online veröffentlicht.

Fotografische Impressionen (variable Sortierung, versch. Fotografen):

Ehrenmitgliedschaft für Prof. Dr. Michael Succow
Dankesrede von Prof. Kohei Saito via Videobotschaft
Prof. Dr. Sylvie Paycha, MLS
Dankesrede von Gerhard Pfaff
Neues Mitglied Prof. Dr. Sebastian Hasenstab-Riedel
Neues Mitglied Prof. Dr. Andreas Kugi
Neues Mitglied Dr. Hauke Hußmann
Neues Mitglied Dr. Rainer Karlsch
Neues Mitglied Dr. Berthold Unfried
Dankesrede von Dr. Peter Jordan
Prof. Dr. Jochen Kolb, neues Mitglied
Gerhard Pfaff nimmt die Jablonski-Medaille in Empfang
Samuel Mitja Rapoport Kooperationspreis ging 2026 an das Leibniz Gymnasium Berlin
Das Auditorium des Leibniz-Tages vor Ort in der Rosa-Luxemburg-Stiftung
Neuaufnahme von Prof. Dr. Sascha Feuchert
Präsidentin und Vizepräsidentin überreichen Gerhard Pfaff die Jablonski Medaille
Prof. Dr. Peter Brandt bei seinem Festvortrag auf dem Leibniz-Tag 2026
Festvortrag von Peter Brandt
Ein Duo spielt klassische Musik zur Einführung (KI generiert von Vibe von Mistral)
27. Juni 2026

Einladung zum Leibniz-Tag

Hans-Christoph Hobohm Leibniz-Tag

Der Leibniz-Tag findet am 2. Juli 2026 statt

in der Rosa-Luxemburg-Stiftung Straße der Pariser Kommune 8A 10243 Berlin

Die Veranstaltung findet im hybriden Format statt. Die Zugangsdaten entnehmen Sie bitte dem Rundbrief an die Mitglieder oder erfragen sie per E-Mail an g.hassler@leibnizsozietaet.de

Programm

Beginn 10 Uhr

Musikalische Einführung
Schostakowitsch-Musikschule Berlin-Lichtenberg
Nekrologe
Bericht der Präsidentin
Prof. Dr. phil. habil. Gerda Haßler
Urkundenübergabe und Vorstellung der neuen Mitglieder

Mittagspause
12.30 Uhr – 14.00 Uhr

Verleihung der Jablonski-Medaille
Verleihung des Samuel-Mitja-Rapoport
Kooperationspreises
Festvortrag
Der Ukraine-Krieg und die neue Welt(un)ordnung
Prof. Dr. Peter Brandt (FernUniversität in Hagen)

24. Juni 2026

INTERNETZEITSCHRIFT Leibniz Online, Nr. 60 (2026)

Nina Hager Leibniz Online Baumgarten.W, Bernhardt.K-H, Dethloff.K, Djurović.A, Ebeling.W, Frisch.N, Hager.N, Hellmuth.O, Pfaff.G, Segert.D, Spänkuch.D, Wessling.B

nd lernen#
d lernen#

Jahrgang 2026 ● Nummer 60

DOI: 10.53201/LEIBNIZONLINE60

nd lernen#

Werner Ebeling: Klima, Entropie und Gestaltung unserer Zukunft

Bernhard Weßling: Eine erste naturwissenschaftliche Theorie der Nachhaltigkeit: Entropie als Kriterium für Nachhaltigkeit

Dieter Segert: Peter Rubens Sozialismusbegriff und seine historische Einordnung

Wilfried Baumgarten: Entheroisierung der Helden – Altnordische Philologie in der DDR. Wurzeln, Kontext und Vermächtnis

Annette Djurovic: Konferenzdolmetschen lehren und lernen

nd lernen

Klassensitzung NWTW zu Ehren von Karl-Heinz Bernhardt und Dietrich Spänkuch am 12. Februar 2026

Gerhard Pfaff: Eröffnung

Nina Hager: Laudatio für Karl-Heinz Bernhardt

Karl-Heinz Bernhardt: Dankesworte

Olaf Hellmuth: Laudatio für Dietrich Spänkuch

Dietrich Spänkuch: Dankesworte und ein etwas kritischer Blick zurück

Klaus Dethloff: Ursachen und Unsicherheiten des Klimawandels – Die letzten 90 Jahre

Nico Frisch: Fiscal Discipline, Public Debt, and Productive Capacity: A Response to Kahn (2000)

Link zu Nr. 60

18. Juni 2026

Die Nummer 7 der Zeitschrift SYMPOSIUM CULTURE@KULTUR ist erschienen

Hans-Christoph Hobohm SYMPOSIUM CULTURE@Kultur Knopper.F, Röseberg.D

Unter dem Titel „Was von der DDR bleibt: eine ostdeutsche Bibliothek in Nantes“ haben sich die Germanistinnen Ruth Lambertz-Pollan und Bénédicte Terrisse von der Université Nantes auf die Spuren der Geschichte einer DDR- Bibliothek ihrer Universität gemacht. Dieser Bestand war zwar institutionell bewahrt, blieb jedoch über Jahrzehnte hinweg weder katalogisiert noch systematisch befragt und entzieht sich damit weitgehend den etablierten Formen des kulturellen Gedächtnisses.

Das Interesse der jungen Germanistinnen gilt den Herkunftsorten und Zirkulationsprozessen dieser Bücher wie auch den Büchern selbst, die weitere Wissenschaftlerinnen zu originellen Recherchen eingeladen haben. (Inhaltsverzeichnis s.u.)

Zusammengehalten werden diese unterschiedlichen Texte durch einen einleitenden Beitrag der Herausgeberinnen dieses Dossiers unter dem Titel Dialektik des Restes: eine lexikalische und theoretische Reise aus deutsch-französischer Sicht. Sie belegen darin, wie sehr der Begriff „Rest” Debatten über den Umgang mit der Vergangenheit prägt, die in Form verlassener Objekte sehr konkret in der Gegenwart fortbesteht.

Die Herausgeberinnen der Zeitschrift haben dieses Dossier sehr begrüßt, weil sie die Fragen der kulturellen Patrimonialisierung und der Bedingungen von Überlieferung, Vergessen und Wiederentdeckung kultureller Artefakte für essentiell halten.

Die gesamte Nummer ist hier nachzulesen: https://reference-global.com/issue/SCK/7/1

Dorothee Röseberg

 


Inhaltsverzeichnis

Editorial
Françoise Knopper,  Dorothee Röseberg,  Marie-Therese Mäder,  Caroline Moine,  Ruth Lambertz-Pollan, Bénédicte Terrisse

« Verschütten und Wiederfinden ». Dialectiques du reste : un voyage lexical et théorique franco-allemand.
Ruth Lambertz-Pollan, Bénédicte Terrisse

À la recherche d’une bibliothèque disparue. La collection littéraire ENT d’Aufbau.
Danielle Risterucci-Roudnicky

Sur les traces des émotions : images et discours des ouvrages d’histoire de l’art de la RDA.
Mathilde Arnoux

La part de l’image. Les histoires illustrées des villes de la RDA (1978-88), de la propagande à l’imaginaire social.
Marie-Madeleine Ozdoba

Der „richtige“ und der „falsche“ Antifaschismus. Erbe und Vermittlung eines komplexen Zusammenhangs.
Marie Müller-Zetzsche

Circulations transnationales du théâtre pour I’enfance et la jeunesse durant la guerre froide : genèse et contexte de I’ouvrage Kinder- und Jugendtheater der Welt du Centre national RDA de l’ASSITEJ.
Florence Baillet

Zur Neubewertung des literarischen Kanons der DDR am Beispiel des Werks von Hedda Zinner.
Carola Hähnel-Mesnard

 

18. Juni 2026

Neue Publikation unserer Mitglieder Michael Thomas und Michael Brie

Hans-Christoph Hobohm Mitglieder, Publikationen Brie.M, Thomas.M

Michael Thomas / Michael Brie (Hrsg.): Welt(un)ordnung und Transformationen. Fallstudien zu (Ost)Deutschland im Stau und Lernprozessen in China. Hamburg: VSA, 2026.
240 S.; EUR 19.80; ISBN 978-3-96488-275-2

Tiefergehende Änderungen in Gesellschaft und ­Natur sowie Ideen weitergehender Umgestaltungen sind oft mit dem Begriff der Transformation verbunden. Wir sind »umzingelt« von Transformationsfonds, von Transformationspiloten, Transformationsdesign etc. Aber was bedeuten gesellschaftlichen Transformationen hierzulande und anderswo konkret? Und was lassen sich daraus für Alternativen erkennen?

Die immer neuen Volten US-amerikanischer Politik à la Trump haben in Verbindung mit enthemmter autoritärer Herrschaft und der Verachtung aller Rechtsnormen bereits die Grundlagen der Weltordnung massiv beschädigt. Aber die krisenhafte und blockierende Konstellation ist kein Ergebnis erratischer Naturgesetzlichkeit, sondern hat viel zu tun mit vorhergehenden Entwicklungen und grundlegenden ökonomischen, technologischen, politischen, sozialen Trends sowie mit gesellschaftlichen Kräftekonstellationen etc. Deshalb müssen in der erneut erforderlichen Vernunftkritik sowohl Fragen wie »Was können wir wissen?« als auch »Was können wir tun?« angegangen werden, um Suchprozesse nach Alternativen zu befördern.

Vor diesem Hintergrund und der biografischen Erfahrungen der Autor*innen sind die Fallstudien in diesem Band zu verstehen.

Zu den Herausgebern:

Dr. Michael Thomas, Philosoph und Soziologe, in der DDR Studium der Philosophie an der Humboldt-Universität, seit 1980 Soziologe an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED, bis zu dessen Auflösung 2022 Mitarbeiter am Brandenburg-Berliner Institut für Sozialwissenschaftliche Studien. Mitglied der Leibniz-Sozietät seit 2009.

Prof. Dr. Michael Brie, Sozialphilosoph, Studium der Philosophie in Leningrad und Berlin, ab 1980 lehre er an der Humboldt-Universität zu Berlin, von 1999 bis 2019 Mitarbeiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung, u.a. Direktor des Instituts für Gesellschaftsanalyse, seit November 2025 Vorstandsmitglied der Stiftung. Mitglied der Leibniz-Sozietät seit 2013.

Aus dem Inhalt:

  • Einleitung: Verantwortung in verrückten Zeiten
  • Michael Thomas: Ungelöste Fragen – der problematische Weg in die Welt von heute
  • Michael Thomas: Auswege aus der transformatorischen Abwärtsspirale Ostdeutschlands
  • Lutz Brangsch/Judith Dellheim: Reformen im Realsozialismus der DDR und der Tschechoslowakei
  • Gabriele Zimmer: Thüringer Verfassung – eine Verfassung von unten?
  • Michael Brie: Die Kommunistische Partei Chinas als transformatorischer Akteur
  • Rainer Land: Gelenkte Marktwirtschaft: Transformation der chinesischen Ökonomie 1978–2022
  • Norbert Hagemann: Gestalten lernen, lernend gestalten: Weltordnung und Transformation

Bestellen beim Verlag.

G Haßler
14. Juni 2026

Ehrenkolloquium für Ulrich Busch und Dorothee Röseberg anlässlich beider 75. Geburtstag

Hans-Christoph Hobohm Ehrungen, Sozial- und Geisteswissenschaften Busch.U, Haßler.G, Knopper.F, Röseberg.D, Thomas.M, Vatter.C

Zum Auftakt würdigte die Präsidentin, Gerda Haßler, das langjährige Engagement der beiden Jubilare für die Leibniz Sozietät. Ulrich Busch sorgte als langjähriger Schatzmeister dafür, dass die Finanzen der Sozietät solide sind. Dorothee Röseberg förderte seit 2016 als Vizepräsidentin deren internationale Vernetzung und stärkte die Stellung der Kulturwissenschaften in ihr. Das Ehrenkolloquium fand im Alten Ratssaal des Historischen Ratshauses Friedrichshagen statt.

Die Struktur der Tagung, eine erweiterte Sitzung der Klasse Sozial- und Geisteswissenschaften, war folgende: Nach der einführenden Würdigung der Geehrten durch die Präsidentin sollten je eine Laudatio und ein wissenschaftlicher Vortrag für die Beiden stehen und zum Abschluss die Beiden noch selbst zu Wort kommen. Leider musste wegen eines Unfalls der wissenschaftliche Vortrag unseres langjährigen Mitglieds Christa Luft für Ulrich Busch ausfallen. Sie übermittelte den beiden Jubilaren telefonisch ihre herzlichen Glückwünsche.

Michael Thomas bei seiner Laudatio (Foto: D.Segert)

In der Laudatio für Ulrich Busch würdigte Michael Thomas dessen wissenschaftliche Tätigkeit in der DDR und nach 1990. Kollege Busch wurde nach Studium und Promotion auf dem Gebiet der Finanzökonomie zur Staatsbank der DDR delegiert und war dort einige Jahre einer ihrer Direktoren. Nach dem Ende dieser praktischen Tätigkeit kam er an die Humboldt-Universität zurück, habilitierte sich 1984, arbeitete als Dozent und wirkte in der Wendezeit als Direktor eines Instituts für Finanzökonomie an einer neuen Struktur der Wirtschaftswissenschaften mit. Danach erhielt er durch die vom Berliner Senator Ehrhard eingesetzte Struktur- und Berufungskommission eine auf fünf Jahre befristete Stelle. Trotz widriger Umstände setzte Ulrich Busch seine Lehr- und Forschungstätigkeit danach in vielfältigen Gastdozenturen, v.a. international, und als Mitglied der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (bekannt auch als Memo-Gruppe) sowie im Forschungsverbund Ostdeutschland fort. Im letztgenannten Projekt lernte der Laudator Kollegen Busch dann persönlich kennen. Seitdem arbeiten sie im Arbeitskreis Gesellschaftsanalyse der Leibniz-Sozietät zusammen. Michael Thomas würdigte die Vielzahl von wissenschaftlichen Publikationen des Geehrten, vor allem die zu wirtschaftswissenschaftlichen Themen wie die Analysen des Teilhabe- und Finanzmarktkapitalismus. Darüber hinaus publiziert er sachkundig zu einer Vielzahl weiterer Themen. Kollege Busch ist außerdem langjährig im Redaktionskollegium der 1990 gegründeten Zeitschrift „Berliner Debatte Initial“ und als Herausgeber von Schwerpunktheften und als Autor tätig. Auch in den Publikationen der Sozietät ist Ulrich Busch mehrfach mit wichtigen Beiträgen präsent, so etwa mit der 2020 publizierten Monografie „Geldkritik. Theorien – Motive – Irrtümer“.

Françoise Knopper bei Ihrer Laudatio für Dorothee Röseberg (Foto: D.Segert)

Das wissenschaftliche Werk Dorothee Rösebergs wurde von der emeritierten Professorin der Universität Toulouse, Françoise Knopper, gewürdigt, welche auf Germanistik, Kulturwissenschaften, Reiseliteratur und Aufklärung spezialisiert ist. Sie verwies auf die erfolgreiche Tätigkeit von Kollegin Röseberg als Mittlerin zwischen den Kulturen Deutschlands und Frankreichs, die von Frankreich durch die Verleihung des Ordens „Palmes Académiques“ in der Offiziersklasse gewürdigt wurde. Die Laudatorin arbeitet mit der Geehrten in der deutsch-französischen Zeitschrift „Symposium Culture@Kultur“ zusammen. Françoise Kopper würdigte die wissenschaftliche Arbeit von Kollegin Röseberg, welche nach Studium, Promotion und Habilitation auf dem Gebiet der Romanistik als Professorin an den Universitäten Chemnitz und dann Halle-Wittenberg arbeitete. Sie strukturierte ihren Vortrag nach drei Schwerpunkten der wissenschaftlichen Arbeit von Dorothee Röseberg: Interkulturalität, eingeschlossen die Förderung interdisziplinärer Kooperation, ihren Einsatz für die Anerkennung der akademischen Disziplin Kulturwissenschaft in beiden Ländern sowie die Kooperation mit französischen Wissenschaftlern in der Analyse der Geschichte der DDR und deren kultureller Beziehungen mit Frankreich. Als Verdienst auf dem drittgenannten Gebiet hob die Laudatorin u.a. die Studien zu den Wirkungen der aus dem Exil in Frankreich nach 1945 in die DDR Zurückgekehrten. Die Spuren dieser Beziehung wurden auch im Film „Amour fou im Kalten Krieg“ gewürdigt, der 2025 bei Arte gezeigt wurde. Röseberg, so die Laudatorin, ist in deutsch-französischen Netzwerken sehr aktiv, so in binationalen Studiengängen oder als Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutsch-Französischen-Hochschule.

Christoph Vatter bei seinem Vortrag (Foto: D.Segert)

In seinem wissenschaftlichen Vortrag behandelte Christoph Vatter (Universität Jena) das Thema „Das ‚franco-allemand‘ revisited“, wobei er die Beiträge von Dorothee Röseberg dazu würdigte. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, werden nicht nur durch Institutionen wie zwischenstaatliche Verträge, sondern auch durch soziale Imaginationen, sowie Narrative, gestaltet. Als Beispiele nannte er die aus Sportereignissen in den nationalen Medien produzierten Narrative über den jeweils Anderen. Sein Vortrag war in die folgenden Abschnitte gegliedert: Zum Begriff des „franco-allemand“, soziales Imaginieren in ihm, über den Platz von Imagination in der interkulturellen Wirtschaftskommunikation sowie Herausforderungen und Perspektiven. Der wissenschaftliche Begriff der Imagination, der von Cornelius Castoriadis etabliert wurde, verweist auf den kulturellen Hintergrund des Funktionierens wie der Probleme von gesellschaftlichen Institutionen. Dabei unterstrich der Redner, das im – die deutsch-französischen Beziehungen prägenden – „Versöhnungsnarrativ“ durchaus vorhandene reale Konflikte in den Beziehungen beider Gesellschaften ausgeblendet werden. Zum Schluss kam er auf Krisen des „franco-allemand“, in den französisch-deutschen Beziehungen, zu sprechen, so auf die sinkende Attraktivität des Lernens der jeweils anderen Sprache bei Jugendlichen beider Staaten, die Wiederbelebung des Nationalismus in den an Gewicht gewinnenden rechtspopulistischen Parteien sowie die Herausforderungen durch die neue geopolitische Lage, deren Herausforderungen keineswegs schon bewältigt werden. Kulturelle Übersetzungstätigkeit bleibe eine wichtige Aufgabe.

Ulrich Busch antwortet auf die Laudatio (Foto: D. Segert)

In der abschließenden Runde des Ehrenkolloquiums kamen nun die Geehrten selbst zu Wort, alphabetisch gereiht, zuerst also Ulrich Busch. Er betonte in seinen Ausführungen die gemeinsamen Wurzeln der Begriffe „Ökonomie/Wirtschaft“ und „Kultur“ in der Wirtschaftspraxis früher Gesellschaften. Schließlich habe sich im Kapitalismus die Dominanz der Wirtschaft über die Kultur herausgebildet, was sich auch in Begrifflichkeiten wie „Kunstmarkt“ zeige. In der kulturellen Sphäre könne nur verbraucht werden, was vorher wirtschaftlich erarbeitet worden sei. Der Einfluss der Kultur auf die Wirtschaft lasse sich zwar nicht leugnen, aber sie sei dem Markt unterworfen, Kunst und Künstler müssten sich an einem Markt, dem Kunstmarkt, behaupten.

Dorothee Röseberg antwortete nicht direkt auf diese Ausführungen, sondern formulierte in ihrem Vortrag Thesen über die Besonderheit der Kulturwissenschaft, womit sie gleichzeitig deren Stärken und ihren Beitrag zur Entwicklung von Gesellschaften hervorhob. Kulturwissenschaft sei „Grenzgängerwissenschaft“, kulturelles Übersetzen leiste einen wichtigen Beitrag zum Überschreiten von Grenzen zwischen Kulturen, Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Wissensräumen und Disziplinen. Sie erlaube Passagen, wobei die Begegnungen stattfinden ohne die Differenz und das Fremde zu ignorieren.

Dorothee Röseberg antwortet auf die Laudatio (Foto: D. Segert)

Schließlich erläuterte die Referentin kulturwissenschaftliche Konzepte zum Umgang mit Differenz und Fremdheit, als Verstehen und Übersetzung, wobei das alles in einem sozialen Prozess stattfinde, in dem durch Interessen und Machtungleichgewichte ein Ringen um Deutungshoheit vor sich gehe. Letztlich könne so ein „Dritter Raum“ entstehen, in dem Neues aus der Kommunikation über die Differenz erwächst.

Die Präsidentin ergriff zum Schluss noch das Wort und betonte die Bedeutung einer gleichrangigen Kommunikation zwischen den beiden Disziplinen, der Wirtschaftswissenschaft und der Kulturwissenschaft, in der Leibniz Sozietät.

Der Nachmittag klang bei einem Empfang im Ratssaal aus, in dem die Anwesenden, es waren fast 40 Personen, sich bei Wein und Brötchen miteinander und mit den Geehrten über ihre Eindrücke und Reflexionen austauschen konnten.

Dieter Segert

 

Müller-Beitragsbild
14. Juni 2026

Bericht zum Vortrag von Prof. Dr. Claudia Müller „Digitale Transformation in alternden Gesellschaften – Praxisorientierung und Partizipation als Gestaltungsprinzipien“

Hans-Christoph Hobohm Plenum Müller.C

Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin veranstaltete ihre öffentliche Juni-Plenarveranstaltung am 11.06.2026 zum Thema „Digitale Transformation in alternden Gesellschaften – Praxisorientierung und Partizipation als Gestaltungsprinzipien“.

Prof. Dr. Claudia Müller, MLS, bei ihrem Vortrag im Plenum
(Foto: Gerhard Pfaff)

Referentin hierzu war Prof. Dr. Claudia Müller (Universität Siegen, MLS), deren Fokus in der Forschung auf den Gebieten Wirtschaftsinformatik und IT für die alternde Gesellschaft liegt. Die Veranstaltung fand im Ratssaal des Historischen Rathauses Berlin-Friedrichshagen statt.

Einleitend begrüßte Gerda Haßler, Präsidentin der Leibniz-Sozietät, die Teilnehmenden und stellte die Referentin vor. Claudia Müller ist Professorin an der Universität Siegen und leitet den Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik mit dem Schwerpunkt Informationstechnologie (IT) für die alternde Gesellschaft. Ihre sozio-informatische Forschung umfasst den Schwerpunkt der praxistheoretisch fundierten Technikentwicklung sowie Methoden- und Theoriebildung innerhalb der angewandten Informatik, der sich auf ihre Erfahrung in der Leitung von F&E-Projekten in mehreren Schwerpunktbereichen stützt, u.a. Demenzpflege, quartiersbasierte und ländliche Gesundheitsversorgung, Caring Communities, barrierefreie Arbeitsplätze, robotische Systeme in der Pflege, Künstliche Intelligenz in der Medizin und Digitalkompetenz. Claudia Müller war und ist beratend tätig als stellvertretende Vorsitzende der Sachverständigenkommission der Bundesregierung zum Achten Altersbericht „Ältere Menschen und Digitalisierung“, Sprecherin des Fachbereichs Human-Computer Interaction (HCI) bei der Gesellschaft für Informatik (GI) und Sprecherin des Fachausschusses „Bildung und Digitalisierung im Alter“ beim Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). Seit 2025 ist Claudia Müller Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V.

Der Vortrag von Claudia Müller beleuchtete aktuelle Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung vor dem Hintergrund des demographischen Wandels. Aufbauend auf Forschungsarbeiten wurde gezeigt, wie digitale Technologien im Kontext von Gesundheit, Pflege und sozialer Teilhabe nicht nur technisch entwickelt, sondern gemeinsam mit den betroffenen Menschen gestaltet werden können.

Im Zentrum der Ausführungen standen praxisorientierte und partizipative Forschungsansätze der Sozio-Informatik, die ältere Menschen, Pflegekräfte, Angehörige und weitere gesellschaftliche Akteur:innen aktiv in Konzeptions-, Entwicklungs- und Aneignungsprozesse einbeziehen. Anhand ausgewählter Forschungsprojekte aus den Bereichen der Robotik für die Pflege, digitalen Lernräumen und gemeinschaftsbasierten Versorgungsmodellen wurde verdeutlicht, dass nachhaltige digitale Innovationen nur dann gelingen, wenn sie an den Lebenswelten, Bedürfnissen und sozialen Praktiken der Nutzenden orientiert sind.

Der Vortrag diskutierte darüber hinaus die Bedeutung von Co-Creation, interdisziplinären Lernräumen für die Forschenden und sozialen Innovationsprozessen für die Gestaltung einer inklusiven digitalen Gesellschaft. Praxisorientierung und Partizipation, so zeigten die Ausführungen der Referentin, werden dabei nicht als ergänzende Elemente verstanden, sondern als zentrale Gestaltungsprinzipien einer menschenzentrierten digitalen Transformation in alternden Gesellschaften.

Das starke Interesse der Teilnehmenden an den Ausführungen von Claudia Müller bestätigte sich durch die nachfolgende intensive Diskussion.

Gerhard Pfaff

AWI
12. Juni 2026

Bericht zum Neumayer-Kolloquium

Hans-Christoph Hobohm Konferenzen, Veranstaltungen Dethloff.K, Spänkuch.D

Am 1. Juni 2026 fand das vom Alfred-Wegener-Institut (AWI), Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung und der Leibniz-Sozietät gemeinsam organisierte wissenschaftliche Kolloquium zum 200. Geburtstag von Georg von Neumayer (1826-1909) im Wissenschaftspark auf dem Potsdamer Telegraphenberg statt. Die Präsidentin der Leibniz-Sozietät Frau Prof. G. Haßler eröffnete die eintägige Veranstaltung mit einem Grußwort.

Die Vorträge von Frau Prof. C. Lüdecke und MLS Dr. D. Spänkuch reflektierten Neumayers Lebensweg und seine wissenschaftlichen Leistungen, zu denen auch die Vorbereitung des 1. Internationalen Polarjahres 1882-83 zählte. Frau Prof. Lüdeckes Vortrag beschäftigte sich mit Neumayer als Visionär, der nach seinem Ingenieurexamen 1849/50 ein Praktikum bei J. von Lamont auf der Sternwarte in Bogenhausen bei München absolvierte. Obwohl er dort nur wenige Monate verbrachte, prägte Lamonts Einfluss sein weiteres Leben als Wissenschaftler und Wissenschaftsorganisator. Nach Lamonts Vorbild gründete er in Melbourne ein Observatorium für meteorologische und magnetische Messungen sowie für die Zeitbestimmung. Wieder nach Deutschland zurückgekehrt setzte er die Beobachtung des Venusdurchgangs 1874 auf den Kerguelen und 1882 auf Südgeorgien durch und propagierte jahrzehntelang die Aussendung einer Südpolarexpedition. Herr Dr. Spänkuchs Vortrag fokussierte sich auf Neumayer als Macher und behandelte das letzte Lebensdrittel Georg Neumayers, beginnend mit seiner Ernennung zum Leiter der Deutschen Seewarte. Dank seines Organisationstalents und seiner internationalen Verbindungen entwickelte er diese zu einer führenden nautischen und meteorologischen Institution, die seit dem 16. Februar 1876 tägliche Wetterkarten veröffentlichte, Segelschiffe und Dampfer bei der Routenplanung beriet und weitere nautische und meteorologische Dienstleistungen bereitstellte. Schließlich konnte er die erste deutsche Südpolarexpedition (1901-1903) auf den Weg bringen.

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7. Juni 2026

Jubiläum „50 Jahre Georg-Forster-Station“

Hans-Christoph Hobohm Veranstaltungen Dethloff.K, Kautzleben.H, Schuh.H

Bericht von der Jubliäumsveranstaltung „50 Jahre Georg-Forster-Station“

„Durch Mühsal zu den Sternen“ (Seneca)

Am 3. Juni 2026 fand im Bildungsforum Potsdam die vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung organisierte feierliche Veranstaltung zum 50-jährigen Jubiläum der Georg-Forster-Station in der Antarktis statt. Dr. H. Gernandt und Dr. D. Fritzsche hatten im AWI-Auftrag die noch lebenden Überwinterer eingeladen und das Bundesministerium der Finanzen dieses goldene Jubiläum mit einer Sonderbriefmarke gewürdigt. Die Veranstaltung wurde von Prof. B. Diekmann, Leiter der AWI Forschungsstelle Potsdam eröffnet, der das Grußwort des erkrankten Verwaltungsdirektors Dr. K. Wurr vortrug.

Dr. H. Gernandt während seines Vortrages mit Ergebnissen der 1985 gestarteten Ozonmessungen an der Georg-Forster-Station. Foto K. Dethloff.

In seinem Festvortrag reflektierte Dr. H. Gernandt den Aufbau und die Leistungen der ersten ganzjährig betriebenen deutschen Forschungsstation in der Antarktis in der DDR-Zeit von 1976 bis 1990. Die Forschungsschwerpunkte lagen auf Messungen der Funkwellenabsorption in der Ionosphäre, Erdmagnetfeldmessungen und CO2 Messungen und waren durch die wissenschaftlichen Interessen und Weitsicht des Direktors des Zentralinstituts für Solar-Terrestrische Physik Prof. Dr. E. A. Lauter getrieben, der auch Gernandts Doktorvater war. Die 1985 unter Leitung von H. Gernandt an der Forster-Station begonnenen Messungen des vertikalen Ozonprofils mit Radiosonden führten zur international erstmaligen Identifizierung des Ozonabbaus in der antarktischen Stratosphäre zwischen 16 und 22 km.

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5. Juni 2026

Materialien der Klinkmann-Ehrung verfügbar

Hans-Christoph Hobohm Ehrungen, Publikationen, Sitzungsberichte Banse.G, Klinkmann.H, Methling.W, Pfaff.G

Die Leibniz-Sozietät hatte aus Anlass des 90. Geburtstages ihres Gründungsmitglieds Horst Klinkmann, letzter Präsident der Akademie der Wissenschaften (der DDR) und langjähriger Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung der Freunde der „Leibniz-Sozietät der Wissenschaften e.V.“, am 20. Juni 2025 ein Ehrenkolloquium unter dem Motto

„DER UNERMÜDLICHE: Arzt, Mediziner, Wissenschaftler, Gelehrter, Visionär, Präsident, Kurator, Initiator, Kultivierender, Menschenfreund, Hoffnungsträger, Netzwerker, Moderator, Weltbürger“

durchgeführt (s. Bericht auf der Website hier).

Die Beiträge dieses Kolloquiums liegen nun als Sonderband D04 der „Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät“ vor (Inhaltsverzeichnis).

Der Band kann direkt beim trafo Wissenschaftsverlag Dr. Wolfgang Weist bestellt werden (info@trafoberlin.de). Online wird der Band nach dem Leibniz-Tag 2026 verfügbar sein.

Der dem Jubilar im Rahmen des Kolloquiums übergebene Sonderband D03 der „Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät“ mit dem Titel „Der Unermüdliche. Horst Klinkmann zum 90. Geburtstag“, der Texte vom und zum Jubilar in Publikationen der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften enthält (Inhaltsverzeichnis), ist nun hier auch online abrufbar.

Gerhard Banse, Wolfgang Methling, Gerhard Pfaff

28. Mai 2026

Bericht zur Jahrestagung 2026 der Leibniz-Sozietät am 19. Mai 2026

Hans-Christoph Hobohm Jahrestagungen

Am 19. Mai 2026 fand die Jahrestagung 2026 der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin statt. Die Tagung fand in Zusammenarbeit mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und der Berliner Medizinischen Gesellschaft statt und stand unter dem Titel:

Aus Gesundheitskrisen lernen und gemeinsam besser werden

Vortragsort war das geschichtsträchtige Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin-Mitte in direkter Nachbarschaft zur Charité und zur Humboldt-Universität. Wie der Verlauf der Tagung zeigte, hätte sich für die Vorträge und die Diskussionen kaum ein geeigneterer Ort finden können.

Gerda Haßler begrüßt die Teilnehmer der Jahrestagung 2026
Gerda Haßler begrüßt die Teilnehmer der Jahrestagung 2026 (Foto: Gerhard Pfaff)

Zu Beginn der Jahrestagung begrüßte die Präsidentin der Leibniz-Sozietät Gerda Haßler etwa 50 Mitglieder und Freunde der Sozietät. In ihren Ausführungen verwies sie zunächst darauf, dass die Covid-19-Pandemie die Welt nicht nur in ihrer unmittelbaren Auswirkung erschütterte, sondern auch grundlegende Fragen zur globalen Gesundheitsvorsorge aufgeworfen hat. Insbesondere die Bedeutung der Grundlagenforschung in den Bereichen Impfstoffe, Diagnostik und Überwa­chung ist in den Fokus gerückt. Des Weiteren hat die Pandemie die Interdependenz zwischen mensch­licher Gesundheit, Tiergesundheit und Umwelt unter dem One-Health-Concept verdeutlicht, was insbesondere vor dem Hintergrund des fortschrei­tenden Klimawandels an Relevanz gewinnt. Gerda Haßler stellte fest, dass die Pandemie komplexe ethische und rechtliche Fragen berührt hat, etwa zu Grundrechtseingriffen, Risikobewertungen und staatlicher Verantwortung. Ebenso zeigte die Pandemie, wie entscheidend eine realistische Risikowahrnehmung und eine vertrau­enswürdige Wissenschaftskommunikation für das gesellschaftliche Krisenmanagement sind. Am Ende ihrer Ausführungen wünschte sie der Tagung einen guten und erfolgreichen Verlauf. WEITER

14. Mai 2026

Wahl des Sekretars der Klasse Sozial- und Geisteswissenschaften

Gerda Hassler Aus der Sozietaet, Mitteilungen, Personalia, Wahlen Neumann.H

Prof. Dr. Hans Neumann (MLS) (Foto: Universität Münster, Peter Grewer)

Am 7. Mai wurde Hans Neumann zum Sekretar der Klasse Sozial und Geisteswissenschaften gewählt.

Prof. Dr. Hans Neumann ist emeritierter Professor für Altorientalische Philologie der Universität Münster. Er ist am 9. Mai 1953 in Erfurt geboren, legte das Abitur 1971 im altsprachlichen Zweig an der II. Erweiterten Oberschule Berlin-Mitte (vormals Berlinisches Gymnasium zum Grauen Kloster) ab und studierte von 1971-1975 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg orientalische Archäologie und Philologie. In den letzten zwei Jahren seines Studiums wurde er mit einem Wilhelm-Pieck-Stipendium gefördert. 1980 promovierte er mit einer Dissertation zum Thema Untersuchungen zur Organisation des Handwerks in Mesopotamien zur Zeit der III. Dynastie von Ur (Prädikat „summa cum laude“, ausgezeichnet mit der „Sonderprämie des Präsidenten der Akademie der Wissenschaften der DDR für hervorragende Leistungen junger Wissenschaftler der AdW“).

Hans Neumann begann seine berufliche Tätigkeit am Zentralinstitut für Alte Geschichte und Archäologie der Akademie der Wissenschaften der DDR, wo er 1975-1991 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Forschungsgruppenleiter am Bereich Alter Orient war. Er nahm an archäologischen Untersuchungen im Haditha-Gebiet (Irak) und an einer Grabungssondierung im Gebiet von Hassake (Syrien) teil. Von 1987 bis 1990 war er Mitglied des Wissenschaftlichen Rates für Archäologie und Alte Geschichte bei der Akademie der Wissenschaften der DDR.

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Aug. 6
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1946 Akademie der Wissenschaften in Adlershof

Sep. 10
10:00 - 13:30

Ehrenkolloquium zum 80. Geburtstag von Gerhard Banse

Okt. 8
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Klassensitzung Klasse Naturwissenschaften und Technikwissenschaften

Okt. 8
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Okt. 8
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Klassensitzung Klasse Sozialwissenschaften und Geisteswissenschaften

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