AK Vormärz- und 1848er Revolutionsforschung beim Forum 1848

Lesung und Diskussion beim Forum 1848
Der Arbeitskreis Vormärz- und 1848er Revolutionsforschung der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften e.V. war am 25. Februar 2026 Gast beim Forum 1848 am Friedhof der Märzgefallenen. Der Trägerverein Paul Singer e. V. hatte Vertreter des Arbeitskreises sowie die interessierte Öffentlichkeit in die Alte Feuerwache in Berlin-Friedrichshain eingeladen. Die Herausgeber Rüdiger Hachtmann und Jürgen Hofmann (beide MLS) sowie die Autorin Daniela Fuchs gewährten dem interessierten Publikum einen Einblick in die konzeptionellen Grundsätze und in die Arbeit an den biografischen Forschungen des Bandes 7 der Reihe „Akteure eines Umbruchs. Männer und Frauen der Revolution 1848/49“. Neben Informationen zum Arbeitskreis und zur Geschichte der Buchreihe, wurden die im Band 7 vertretenen Biografien vorgestellt sowie Leseproben aus ausgewählten Texten vorgetragen.
Auf besonderes Interesse stieß u. a. die Biografie von Karol Libelt, für die umfangreiche Quellen in polnischer Sprache erstmals ausgewertet wurden. Daniela Fuchs, die bereits Ludwik Mieroslawski im Band zwei der Reihe beschrieben hatte, konnte auf die Rolle polnischer Revolutionäre und die Unterschiede ihrer Motivationen verweisen. Grundsätzlich wurde in der Diskussion noch einmal die europäische Dimension der Revolution 1848/49 und ihre globalen Wirkungen deutlich. Das wurde am Beispiel der 1848er in den USA thematisiert. Hier konnte auf den im Band 6 vorgestellten Schriftsetzer und Pionier der Fotografie Julius Brill aus Breslau und sein Engagement in New York verwiesen werden. Aus den Reihen der zahlreichen Emigranten harren neben den seit Jahren in der Literatur immer wieder genannten prominenten Beispielen noch viele Lebenswege ihrer Entdeckung.
Das Projekt „Akteure eines Umbruchs“ widmet sich allerdings nicht nur den Protagonisten der demokratischen Bewegung und der revolutionären Kämpfe, sondern ebenfalls ihren Kontrahenten und Personen, die den Ereignissen abwartend oder reserviert gegenüberstanden. Revolutionen sind keine Einbahnstraßen. Für ihr Verständnis sollten möglichst alle Seiten in den Blick genommen werden. Ein Beispiel aus dem neuen Band war Erzherzog Johann von Österreich, dem die Rolle des Reichsverwesers der provisorischen Zentralgewalt zufiel. Rüdiger Hachtmann ging am Schluss der Präsentation auf wichtige Aspekte ein, warum Biografien einen unverzichtbaren Platz in der Geschichtsschreibung haben und wo ihre Grenzen liegen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion betraf den Platz der Frauen in der Revolution und Ihren Praktiken, sich gegen tradierte Widerstände und Vorbehalte in das Geschehen einzubringen. Für den Band konnte das beispielhaft an Marie Pinder, der Gattin des reformorientierten liberalen Oberpräsidenten der preußischen Provinz Schlesien, und an der Schriftstellerin Emilie Emma von Hallberg, die dem „kommunistisch-ästhetischen Klübbchen“ in Köln angehörte, verdeutlicht werden.
Dass die Revolution 1848 auch eine Jugendrevolution war, lässt sich aus dem damaligen Lebensalter vieler Protagonisten ableiten. Insofern steht die kurz vorgestellte Biografie von Hugo Wolf, der als Gymnasiast für und in der badischen Revolution kämpfte, exemplarisch.
Mit Joseph Fickler und Eduard Kauffer wurden zwei Redakteure und die wechselhaften Umstände von Pressearbeit und Pressefreiheit thematisiert. Beim Redakteur der Fränkischen Blätter und des Nürnberger Trichters Eduard Kauffer ist bemerkenswert, dass er in seinem Geburtsort in der Oberlausitz dank langjähriger regionalgeschichtlicher Forschungen in Erinnerung blieb.
In der lebhaften Aussprache wurde auch danach gefragt, wie zeitgenössische Bilder und Illustrationen bewertet und bezüglich ihrer Authentizität beurteilt werden können. Für den Zeitraum vor dem Siegeszug der Fotografie ist Bildmaterial eher rar, entstand nicht selten erst im Nachgang der Ereignisse. Während von den Spitzen der damaligen Gesellschaft Porträt vorliegen, sind Bilder aus den Milieus der mittleren sozialen Schichten und der Unterschichten die absolute Ausnahme. Dieser Mangel kann auch durch intensive Quellenforschung nicht behoben werden, obwohl die Digitalisierung das eine oder andere Objekt ans Tageslicht bringt.
Jürgen Hofmann










